Kapitel 3

Akzeptanz und Aufnahme in den Ashram

Worte Sri Aurobindos

Sri Aurobindo ist nicht bestrebt, die Zahl seiner Anhänger zu erhöhen, und gewöhnlich werden nur jene aufgenommen, die die Berufung und Fähigkeit für den Yoga besitzen und bereit sind, die Bedingungen zu erfüllen.

Worte Sri Aurobindos

Die Sadhana permanent im Ashram auszuüben ist nicht für jedermann das Beste; es hängt von der Fähigkeit ab und ebenso von der Entwicklungsstufe, die man in der Sadhana erlangt hat. Für einige wäre die Kraft zu stark für einen dauerhaften Aufenthalt. Es wäre für sie weitaus vorteilhafter, wenn sie nur für eine bestimmte Zeit hier wären; sie empfangen das, was sie können und assimilieren es dann woanders. Sie sind nicht bereit für einen kontinuierlichen Druck.

Worte Sri Aurobindos

Es ist gewiss wahr, dass die seelische Verbindung über eine Distanz hinweg besteht und dass das Göttliche nicht auf einen Ort begrenzt ist, sondern überall ist. Es ist nicht für jeden notwendig, in Pondicherry oder physisch der Mutter nahe zu sein, um ein spirituelles Leben zu führen oder diesen Yoga zu praktizieren, besonders in den frühen Stadien. Aber das ist nur die eine Seite der Wahrheit; es gibt noch eine andere. Die logische Schlussfolgerung wäre ansonsten, dass die Anwesenheit der Mutter hier schließlich nicht erforderlich ist, oder es gäbe keinen Grund für den Ashram oder das irgendjemand hierher kommt.

Das seelische Wesen befindet sich in allen, aber nur in wenigen ist es entwickelt, im Bewusstsein gut aufgebaut oder in den Vordergrund getreten. Bei den meisten ist es verhüllt, oft unwirksam oder übt nur einen geringen Einfluss aus, nicht bewusst oder stark genug, um das spirituelle Leben zu unterstützen. Aus diesem Grund ist es für jene, die sich von dieser Wahrheit angezogen fühlen, notwendig, hierher zu kommen, damit sie die Berührung empfangen mögen, die das Erwachen des seelischen Wesen herbeiführt oder vorbereitet – das ist für sie der Beginn eines wirkungsvollen seelischen Kontakts. Aus diesem Grund ist ein Aufenthalt hier für viele erforderlich – wenn sie bereit dafür sind –, damit sie unter dem direkten Einfluss und der direkten Nähe diese Entwicklung oder diesen Aufbau des seelischen Wesens im Bewusstsein oder sein Hervortreten haben können. Hat man ihm die Berührung gegeben oder ist die Entwicklung wirksam geworden, insoweit der Sadhak in diesem Moment fähig dazu ist, dann kehrt er in die äußere Welt zurück, und er vermag unter dem Schutz und der Führung, selbst über die Entfernung hinweg, den Kontakt zu bewahren und lebt sein spirituelles Leben weiter. Doch die Einflüsse der äußeren Welt wirken sich nicht günstig auf den seelischen Kontakt und die seelische Entwicklung aus, und wenn der Sadhak nicht sorgfältig oder konzentriert genug ist, kann der seelische Kontakt nach einiger Zeit wieder sehr leicht verlorengehen oder überdeckt werden und die Entwicklung kann verzögert, angehalten oder gar beendet werden durch die feindlichen Einflüsse oder Bewegungen. Das ist der Grund, warum die Notwendigkeit besteht und oft die Rückkehr zum Ort des zentralen Einflusses gefühlt wird, um den Kontakt zu verstärken oder zu erneuern oder um der Entwicklung einen frischen Vorwärts-Impuls zu geben oder zu erneuern. Das gelegentliche sehnsuchtsvolle Streben nach solch einer Nähe ist kein vitales Verlangen. Es wird nur dann zu einem vitalen Verlangen, wenn es vom Ego hartnäckig gefordert wird oder mit vitalen Motiven vermischt wird – nicht aber wenn es eine Aspiration des seelischen Wesens ist, ruhig, tief, ohne Geschrei oder beunruhigenden Nachdruck.

Das gilt für jene, die nicht oder noch nicht dazu berufen sind, im Ashram unter dem direkten Druck der zentralen Kraft und Gegenwart zu leben. Jene, die so leben müssen, sind die, die von Anfang an dazu berufen oder nun bereit sind, oder die aus dem einen oder anderen Grund eine Chance bekommen haben, ein Teil der Arbeit oder Schöpfung zu werden, die durch den Yoga vorbereitet wird. Für sie ist der Aufenthalt hier unbedingt erforderlich. Ein Fortgehen von hier würde für sie ein Verzicht auf die ihnen gegebene Gelegenheit bedeuten, eine Abkehr vom spirituellen Schicksal. Ihre Schwierigkeiten sind häufig im Auftreten größer als die Kämpfe jener, die außerhalb des Ashrams leben, da der Anspruch und der Druck hier größer sind. Aber deshalb ist auch ihre Möglichkeit größer und Kraft und Einfluss zur Entwicklung werden über sie ausgeschüttet; ebenso die Möglichkeit, was sie spirituell werden können und sicherlich werden, wenn sie ihrer Entscheidung und ihrem Ruf treu bleiben.

Worte Sri Aurobindo

Ich habe deinen Brief gelesen und darüber nachgedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dir die Gelegenheit, um die du bittest, zu geben. Du kannst zunächst zwei oder drei Monate lang im Ashram wohnen, um zu prüfen, ob dies tatsächlich der von dir gesuchte Ort und Weg ist; und auch wir können bei einer näheren Beobachtung deiner spirituellen Möglichkeiten erkennen, auf welche Weise wir dir am besten zu helfen vermögen und ob dieser Yoga für dich geeignet ist.

Diese Probezeit ist aus vielen Gründen erforderlich, besonders aber deshalb, weil es ein schwieriger Yoga ist und nicht viele die Anforderungen tatsächlich erfüllen können, die er an die menschliche Natur stellt. Du schreibst, dass du mich als jemanden betrachtest, der durch die Vervollkommnung des Intellekts seine Spiritualisierung und Vergöttlichung erreichte. In Wirklichkeit aber geschah es durch das vollkommene Schweigen des Mentals, und was immer an Spiritualisierung und Vergöttlichung erreicht wurde, geschah durch die Herabkunft eines höheren überintellektuellen Wissens in dieses Schweigen. Das Buch „Essays on the Gita“ wurde in diesem Schweigen des Mentals geschrieben, ohne intellektuelle Bemühung und durch eine freie Tätigkeit dieses Wissens von oben. Das ist deshalb wichtig, da das Prinzip dieses Yoga nicht die Vervollkommnung der menschlichen Natur als solcher ist, sondern eine seelische und spirituelle Umwandlung aller Wesensteile durch die Tätigkeit eines inneren und später eines höheren Bewusstseins, das auf sie einwirkt, ihre alten Bewegungen ausstößt oder sie in das Ebenbild seiner eigenen [Bewegungen] verwandelt und auf diese Weise die niedere Natur in die höhere umformt. Es ist nicht so sehr die Vervollkommnung des Intellekts als vielmehr seine Transzendierung, eine Umwandlung des Mentals, die Einsetzung eines umfassenderen und größeren Wissensprinzips – und dies gilt für das ganze übrige Wesen.

Das ist ein langsamer und schwieriger Vorgang. Der Weg ist lang, und allein die erforderliche Grundlage zu errichten ist schon schwer. Die alte, vorhandene Natur widersetzt sich und hemmt, Schwierigkeiten erheben sich, eine nach der anderen, bis sie überwunden sind. Es ist daher notwendig, dass man diesen Pfad mit Sicherheit als denjenigen erkennt, zu dem man gerufen wurde, bevor man sich endgültig entschließt, ihn zu betreten.

Wenn du willst, sind wir bereit, dir die Probezeit zu gewähren, um die du bittest. Nach Erhalt deiner Antwort wird sich die Mutter um die notwendige Vorbereitung für deinen Aufenthalt im Ashram kümmern.

Worte Sri Aurobindos

[Für die Aufnahme in den Ashram] gibt es keine speziellen Qualifikationen außer, dass man sich berufen fühlt, ein göttliches Leben zu führen, eine höhere spirituelle und supramentale Wahrheit verkörpernd (kein Sannyasin) einen Geist besitzt, der bereit ist, alles dem einen Ziel zu opfern und der selbst die härtesten Bedingungen, Zerreißproben und Prüfungen auf sich nimmt sowie die Anerkennung Sri Aurobindos und der Mutter.

Worte Sri Aurobindos

Niemand ist hier zugelassen, außer jene, die für den Yoga geeignet sind und die einen wahren Ruf für den Yoga Sri Aurobindos haben. Der Wunsch nach einem „ruhigen und friedvollen“ Ashramleben ist kein ausreichender Grund für die Aufnahme im Ashram.

Worte Sri Aurobindos

Wir halten es nicht für ratsam, dass X in diesem Stadium in den Ashram kommt, um hier zu bleiben. Durch den Eintritt in den Ashram hören die Schwierigkeiten nicht auf – man muss ihnen entgegentreten und sie überwinden, wo immer man ist. Für bestimmte Naturen ist ein Aufenthalt im Ashram von Anfang an förderlich – andere müssen sich in der Welt draußen vorbereiten.

Worte Sri Aurobindos

Es gibt hier keine formelle Initiation – angenommen zu werden reicht aus. Ich nehme aber meist niemanden an, den ich zuvor nicht gesehen habe oder den die Mutter nicht gesehen hat, es sei denn, ein deutliches Zeichen weist auf seine Bestimmung für diesen Yoga hin. Manchmal haben mich jene, die meine Jünger werden wollen, in einem Traum oder einer Vision gesehen.

Worte Sri Aurobindos

Wenn er nicht Hilfe aus einer Distanz empfangen kann, wie kann er dann erwarten, hier mit dem Yoga voranzukommen. Dies ist kein Yoga, der von mündlichen Anweisungen abhängt oder irgendetwas Äußerem, sondern von der Macht sich zu öffnen und die Kraft und den Einfluss zu empfangen, und das sogar in vollständiger Stille. Wer es nicht aus der Ferne empfangen kann, kann es auch hier nicht empfangen. Auch kann der Yoga nicht getan werden, ohne in sich Ruhe, Aufrichtigkeit, Frieden, Geduld und Beharrlichkeit begründet zu haben, denn vielen Schwierigkeiten muss man entgegentreten, und es braucht viele Jahre, sie endgültig und vollständig zu beseitigen.

Worte der Mutter

Urteile nicht dem äußeren Anschein nach und höre nicht auf das, was die Leute sagen, denn beides ist irreführend… Es gibt in diesem Ashram keine äußere Disziplin und keinen sichtbaren Test. Die innere Prüfung ist jedoch streng und andauernd. Man hat in seiner Aspiration sehr aufrichtig zu sein, um allen Egoismus zu überwinden und alle Eitelkeit zu besiegen, damit man hier zu bleiben vermag.

Eine vollkommene Überantwortung wird nicht äußerlich auferlegt, doch ist es unerlässlich für jene, die durchhalten wollen, und viele Dinge tauchen auf, um die Aufrichtigkeit dieser Überantwortung zu prüfen. Dennoch sind die Gnade und die Hilfe immer bereit für den, der nach ihnen strebt, und ihre Macht ist grenzenlos, wenn sie mit Glauben und Vertrauen empfangen wird.

Worte der Mutter

Du sagst, dass du ein spirituelles Leben führen möchtest. Dazu solltest du aber begreifen, dass man zuallererst all seine niederen Regungen überwinden muss, jegliche Anziehung und jegliche Bindung, denn diese stehen im absoluten Widerspruch zum spirituellen Leben.

Das spirituelle Leben fordert eine ausschließliche Hinwendung allein zum Göttlichen. Alles, was man tut, sollte für das Göttliche getan werden. Alle Betätigungen, jegliches Streben, alles, ohne Ausnahme, sollte dem Göttlichen zugewandt werden, mit einer vollständigen Überantwortung des gesamten Wesens.

Ich weiß, dass dies nicht an einem Tag vollbracht werden kann. Aber die Entscheidung, dass es so sein soll, muss in einer unerschütterlichen Weise gefällt werden. Nur unter dieser Bedingung kann ich dir meine Zustimmung für ein spirituelles Leben geben.

Die erste unabdingbare Voraussetzung für die Aufnahme im Ashram

Worte der Mutter

Der Anwärter muss einen Entschluss gefasst haben, sein Leben bedingungslos dem Dienst am Göttlichen zu weihen.

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