Kapitel 5
Keine Begrenzung für den Ausdruck des Göttlichen
Wenn man mit dem Göttlichen identifiziert ist, erblickt man Es dann in der Form, von der man glaubt, dass Es sie hat?
Im Allgemeinen. Es ist sehr selten – es sei denn, man ist dazu in der Lage, von seiner mentalen Formation vollständig loszukommen –, es ist sehr selten, Es ganz objektiv zu sehen. Außerdem pflegte Sri Aurobindo immer zu sagen, dass die Beziehung zum Göttlichen davon abhängt, was man es zu sein wünscht. Jedermann strebt nach einer bestimmten Form von Beziehung, und für ihn nimmt die Beziehung jene Form an.
Wie ist es dann in Wahrheit?
Wahrscheinlich etwas, das sich der Form völlig entzieht – oder das alle Formen annehmen kann. Es gibt keine Begrenzung für den Ausdruck des Göttlichen. Es kann sich ohne Form ausdrücken, und Es kann sich in allen Formen ausdrücken. Und Es drückt sich in jedermann, seinem Bedürfnis entsprechend, aus. Denn auch wenn es jemandem gelingt, unpersönlich genug zu werden, um sich vollständig mit dem Göttlichen zu identifizieren, wird er in jenem Augenblick nicht dazu in der Lage sein, es auszudrücken. Und sobald er sich in einem Zustand befindet, der es ihm erlaubt, es auszudrücken, wird da etwas aus der begrenzten Persönlichkeit eingreifen, und durch dieses muss die Erfahrung hindurchgehen. Der Augenblick der Erfahrung ist das eine, und der Ausdruck dieser Erfahrung ist etwas anderes. Es mag gleichzeitig sein: Es gibt Leute, die auf die eine oder andere Art ausdrücken, was sie fühlen, während sie die Erfahrung machen. Dann ist es gleichzeitig. Das verhindert jedoch nicht, dass jenes, welches die Erfahrung in ihrer Reinheit hat, und jenes, welches sie ausdrückt, zwei ziemlich verschiedene Zustände des Wesens sind. Und dieser Unterschied reicht aus, um wahrhaftig sagen zu können, dass es unmöglich ist, das Göttliche zu kennen, solange man nicht zum Göttlichen wird.
Was Seinen Ausdruck anbetrifft, so findet immer eine Veränderung statt. Sie verursacht etwas derartiges (Geste des Stufenwechsels), was auch immer die Ausdrucksweise sei.
Es bleibt nur ein Bereich übrig, in dem die Erfahrung nicht gänzlich erlangt worden ist, und das ist der rein materielle Bereich. Und da kann man fragen, ob die Transformation wirklich nicht dafür ausreicht, dass eine Möglichkeit integralen Ausdrucks vorhanden ist, wenn das göttliche Bewusstsein in den Körper herniedersteigt… Aber das wird erst noch kommen. Es ist noch nicht getan. Und solange es nicht getan ist, kann man es nicht wissen, denn auch im höchsten mentalen Ausdruck gibt es etwas, das aufgrund des physischen Körpers eingreift. Damit zum Beispiel die Inspiration geradewegs auf das Papier herabkommt, muss sie trotz allem durch sehr materielle Schwingungen hindurchgehen, die sie verändern können. Wenn jedoch eben diese Schwingungen transformiert sind, ist es in dem Falle möglich, dass der äußere Ausdruck absolut identisch mit dem inneren ist, das heißt die körperliche Manifestation wird wahrhaftig zu einer Manifestation der göttlichen Essenz…